Kunstbrut...

Die meißten Hühnerhalter die ich kenne, wollen irgendwann mehr. Mehr Hühner... eine buntere Eiervielfalt... & neue Hühnerrassen. Was liegt da näher, als es auch einmal selbst mit der eigenen Brut zu versuchen.

Wie du erfolgreich Küken via Kunstbrut ausbrütest, das erkläre ich dir heute in meinem neuen Blogbeitrag.

Kunst- oder Naturbrut:

Zuerst möchte ich kurz auf die Unterschiede bzw. über die Möglichkeiten dieser beiden Brutarten eingehen. Denn beides hat seine Vorteile, aber beides ist nicht überall möglich.

Wer es ganz natürlich mag, für den kommt vermutlich nur eine Naturbrut in Frage. Dazu benötigt es idealerweise einen Hahn, der die Eier befruchtet und eine Glucke, die bereit dazu ist, Eier auszubrüten. Manchmal glucken auch Hennen, die ohne Hahn leben. Auch dann kann man ihr befruchtete Bruteier unterschieben, ohne das die Haltung eines eigenen Hahns notwendig ist.

Der Vorteil einer Naturbrut ist natürlich ganz klar, dass die Henne ihre Küken nach dem schlüpfen groß zieht und sie optimal auf das Leben vorbereitet. Ein natürlicher Vorgang im Kreislauf des Lebens.

Manchmal möchte man jedoch neue Rassen züchten ohne eine Glucke zu haben. Dann funktioniert das Ganz nur mit einer Kunstbrut. In meinen Augen ein idealer Weg neues Leben in den Hühnerstall zu bringen. Schließlich habe ich es selbst in der Hand, verantwortungsvoll mit diesem Thema umzugehen und den Küken einen tollen Start ins Leben zu ermöglichen.


 

 

Brutautomat:

Hast du dich wie wir für eine Kunstbrut entschieden, benötigst du nun zuerst einen passenden Brutautomaten. Spare bei deiner Wahl nicht am falschen Ende. Natürlich muss es kein Highend Brüter sein, aber auch einen Billighersteller würde ich dir nicht empfehlen. Ein gutes Mittelmaß von solider Qualität ist hier ganz sicher der Richtige Weg und sorgt für Erfolgserlebnisse. Dabei sind vor allem eine zuverlässige Temperaturregelung, eine optimale Luftfeuchtigkeit und eine automatische Kippfunkition für mich die entscheidenden Kriterien.

So ein Gerät bekommst du bereits ab ca. 160 €. Eine Investiton die sich lohnt & dein Vorhaben optimal unterstützt. Wir nutzen übrigens diesen Brutautomat: "RIVER SYSTEMS" (unbezahlte Werbung durch Verlinkung)

Hast du dich für einen Brüter entschieden und er ist bei dir Zuhause, kannst du dich um die Bruteier kümmern.


 

 

Bruteier:

Willst du Nachkommen deiner eigenen Hühnerschar züchten, dann kannst du einfach Bruteier deiner Hühner absammeln & zum ausbrüten verwenden.

Liebäugelst du jedoch mit neuen Rassen, dann kannst du dich um Bruteier kümmern. Es gibt dieverse Anbieter, die diese privat oder auch professionell anbieten. Bestenfalls holst du sie persönlich ab, aber natürlich kannst du sie dir auch zuschicken lassen. Der Transportweg birgt natürlich immer ein Risiko, da die Eier Temperaturunterschieden und Erschütterungen ausgesetzt sind. Ich würde dir daher empfehlen einen Anbieter auszuwählen, der nicht all zu weit weg ist. Ich selbst hatte schon Bruteier eines tollen Biohofes in Österreich bestellt. Die Schlupfrate war jedoch leider nicht so hoch und ich vermute, das der Transport dafür einfach zu lange war.

 

Lagerung der Bruteier

Sind die Bruteier bei dir, solltest du sie 24 Stunden mit der Eispitze nach unten ruhen lassen, bevor du sie in den Brutautomaten legst. Am besten eignet sich dafür ein kühler, dunkler Kellerraum oder ein anderer Raum, der nicht beheizt ist. Lässt du die Eier länger als 24 Stunden liegen, sollten sie 1x am Tag gewendet werden, damit im Inneren nichts verklebt.

Bruteier sollten ab Legedatum spätestens nach 14 Tagen verwendet werden. Es heißt, das man bis zu 28 Tage immer noch Ergebnisse erzielt, jedoch sinkt die Schlupfrate natürlich mit jedem Tag. Deshalb ist der Richtwert von maximal 14 Tagen wohl der Erfolgversprechendste.

 

Es geht los:

Du hast alle Bruteier beisammen? Dann geht es nun wirklich los...

Stelle den Brüter in einen Raum der keinen großen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. Außerdem sollte er sicher und ruhig stehen und auch vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein. Unseren Brutautomaten stelle ich von Tag 1 bis 17 auf 37,7 Grad ein. Außerdem wird die automatische Kippfunktion vom ersten Tag an aktiviert. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei etwa 55-65 % liegen. Dies erreichen wir bei unserem Brüter, indem wir eine der beiden Wasserkammern stets mit lawarmem Wasser füllen. Lege die Eier mit der Spitze nach unten in die dafür vorgesehenen Halterungen. Überprüfe aber vor dem Einlegen die Eier auf feine Risse und lege nur die ein, die tadellos sind.

Überpfüfe täglich die Vollständigkeit des Wassers. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig für eine gute Entwicklung und sollte nie vergessen werden.

Zwischen Tag 7 & 10 solltest du deine Eier schieren. Das heißt, du nimmst sie nacheinander kurz aus dem Brüter und durchleuchtest sie mit einer guten Taschenlampe oder einer speziellen Schierlampe. Das geht besonders gut, indem du die Taschenlampe in eine Papprolle gibst und das Ei dann darauflegst. So strahlt der Lichtkegel nicht an den Seiten heraus und du kannst prima das Innere beobachten. Nun zeigt es sich, ob die Eier sich bis dahin gut entwickelt haben. Feine Äderchen, schlagende Herzen und manchmal leichte Bewegungen sind zu sehen. Eier die keinerlei Anzeichen einer Entwicklung zeigen, solltest du nun aussortieren.

Die Eier, mit denen alles in Ordnung ist, gibst du zurück in den Brüter und machst weiter wie gehabt.


An Tag 18 wird die Kippfunktion ausgeschalten, ich schiere noch einmal alle Eier und das Schlupfgitter kommt nun in den Brüter. Darauf werden die Eier gelegt. Von nun an wird die Temperatur auf 37,2 Grad herunter gestellt und ab sofort werden beide Wasserkammern gefüllt. Der Brüter sollte nun nicht mehr bewegt werden. Achte darauf, das er keinen Erschütterungen ausgesetzt ist und die Küken in Ruhe ihre Schlupfposition finden können. Öffnen solltest du den Brutautomaten nun ebenfalls nicht mehr.

Nun heißt es warten... ab Tag 20 kannst du gelegentlich schon ein leises piepen vernehmen und auch ganz eilige Küken beginnen schon mit dem schlüpfen. Der eigentliche Schlupftag ist Tag 21. Aber auch an Tag 22 kommen noch ein paar Nachzügler.


Sind deine Küken geschlüpft, solltest du sie erst aus dem Brutautomaten holen, wenn sie vollständig getrocknet sind. Küken brauchen bis zu 48 Stunden nach dem Schlupf keine Nahrung und auch kein Wasser. Sie ernähren sich noch vom Dottersack und sind damit ausreichend versorgt.

Sollten viele Küken geschlüpft sein, kann es sein, dass sie die noch ungeschlüpften Küken durch ihr wildes herumtapsen am schlüpfen hindern. Hole dann die trockenen Küken einfach flott heraus, ohne das zu viel Luftfeuchtigkeit aus dem Brüter entweicht. So hat auch der Rest noch Ruhe um das Leben zu entdecken.


Wenn deine Küken das Licht der Welt erblickt haben und bereit sind, den Brutautomaten zu verlassen, solltest du sie in ihr vorläufiges Zuhause geben, das warm und sicher ist. Darin gehören Futternapf mit speziellem Aufzuchtfutter, immer frisches Wasser und eine Kükenwärmeplatte, unter welche die Küken schlupfen können um sich warm zu halten. Diese ersetzt quasi die schützende Wärme der Glucke und ist unverzichtbar.

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- Dieses AUFZUCHTFUTTER kann ich dir empfehlen (unebzahlte Werbung wegen verlinkung).


 

 

Dies & Das:

- Sei dir der Verantwortung beim brüten bewusst. Es entsteht Leben, welches versorgt und über längere Zeit untergebracht werden muss. Auch sollte man sich bewusst sein, das nicht nur Hennen sondern auch Hähne schlüpfen. Solltest du nicht alle behalten wollen, brauchst du eine Möglichkeit diese abgeben zu können.

- Spätestens an Tag 23 sollten alle Küken geschlüpft sein. Ist das beim ein oder anderen Ei nicht der Fall, war es hier leider nichts mit einer guten Entwicklung. Auch das kommt vor und gehört zum brüten dazu.

- Nach Möglichkeit sollte man Küken nicht aus dem Ei helfen. Die Natur hat es vorgesehen, das dies seine Zeit braucht und sehr gut funktioniert. Ein Eingreifen ist daher nur im äußersten Notfall erforderlich. Bei unserer jetzigen Brut war das tatsächlich bei einem Küken der Fall. Es zappelte schon 24 Stunden mit den Füßen aus dem Ei, konnte aber den Oberkörper nicht befreien. Als ich nachschaute, bemerkte ich, das es an Kopf und Rücken am Ei klebte. Niemals hätte es den Weg alleine raus geschafft und ich habe vorsichtig nachgehofen. Anschließend habe ich es mit warmem Wasser vorsichtig abgewaschen, damit die eingetrockneten Stellen sich auflösten. Im Brüter konnte es sich dann erholen, bis es trocken und munter war. Nun hopst es fröhlich mit den anderen umher und ist fit wie ein Turnschuh. Zum Glück haben wir das bemerkt.

 

 


Das war ein kleiner Ausflug für dich in die Welt des Brütens. Ich hoffe du kannst ein paar Tipps für dich mitnehmen und deinen Traum einer eigenen Brut verwirklichen.

Ich jedenfalls wünsche dir viel Glück dabei & deinen Küken einen tollen Start ins Leben ♥.

 

♥  Piepende Grüße, Nadine ♥


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Kommentare: 2
  • #1

    Maassche_minnifarm (Sonntag, 21 März 2021 22:52)

    Vielen Dank für diesen wirklich gut geschriebenen Artikel. Er hat mir wirklich geholfen! Vielen Dank!

  • #2

    HÜHNERGESCHICHTEN (Montag, 22 März 2021 07:48)

    Vielen Dank, das freut mich sehr �